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  • "Elli übt"

    Blog-Geschichte Altersweise "Elli übt" "Hallo Elli, ich bin wieder da!" Das ist immer meine Begrüßung, wenn ich das Zimmer meiner Klientin im Pflegeheim betrete und um`s Eck zu ihr schaue. Elli liegt im Bett und schaut zu dem was sich in ihrer Welt, oben an der Decke abspielt und erst als ich näher trete, mich in ihr Blickfeld bringe, sie nochmals anspreche und dabei vorsichtig am Arm berühre, merke ich an ihrem Blick, und ihrer Mimik, einem kleinen Zwinkern, Nicken, oder Lächeln, dass sie mich erkannt hat, spürt und hört, dass ich da bin. Wie immer hole ich den Stuhl und setz mich zu ihr ans Bett. Dabei spreche ich laut vor mich hin, was ich gerade tue, erzähle Elli von draußen und stelle ihr Fragen, wie zum Beispiel, ob ich sie ein wenig aufsetzen darf, damit wir uns besser sehen und unterhalten können und betätige dabei langsam und in Etappen die Tasten des elektrischen Pflegebetts. "Endlich ist es wärmer geworden Elli und ich mach die Balkontür auf, damit frische Luft und das Leben von draußen reinkommen." Sie plaudert munter vor sich hin und ich glaube, wir verstehen uns recht gut, auch wenn es keine Wörter und Sätze unseres Sprachgebrauchs mehr sind, die Elli spricht. Nach einer Weile hole ich wie immer den Ball aus dem Nachttisch, den ich Elli damals noch zu Hause mitgebracht habe, um ein wenig Gymnastik und Übungen für die Kräftigung der Finger, Beweglichkeit und Anregung der Durchblutung zu machen. Elli bewegt sich selbst gar nicht mehr viel. Seit sie im Bett liegt, kann sie nicht mehr aufstehen und ist auf die Hilfe und Lagerung durch die Pflegerinnen angewiesen. "Gleich gibt es Abendessen Elli und vielleicht machen wir vorher noch ein wenig Bewegung?" Mit diesen Worten zeige ich ihr den Ball und lege ihn in ihre Hand. Sie kennt ihn bzw. das Gefühl ihn zu halten, hochzuheben, (nicht) fallen zu lassen, oder ihn in die andere Hand zu geben und so entsteht Ellis ganz eigene kleine Gymnastik, manchmal sogar, während sie nebenbei auf den Fernseher schaut und die bekannten Stimmen und Gesichter ihrer Lieblingssendung erkennt, oder aus der geöffneten Balkontür schaut und Geräusche und Menschen draußen wahrnimmt. Wunderbar zu sehen, dass Elli eben doch noch "da" ist, auch wenn es nur Augenblicke sind. Und dann ist schon Zeit zum Abendessen und ich räume den Ball zurück in die Schublade. Bis zum nächsten Mal, wenn Elli mag.

  • Seniorenassistenz - was ist das eigentlich?

    Zu Beginn eine kurze Erklärung, was die Bezeichnung Assistenz im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit bedeutet. Die Assistenz setzt voraus, dass ein selbst definierter Auftrag oder Wunsch eines Klient:in vorhanden ist, für den sie oder er Hilfe bei der Durchführung oder Umsetzung benötigt. Assistenz ist Unterstützung und Begleitung, nicht aber Pflege, Therapie oder Vorgabe, was zu tun, oder wie sich zu verhalten ist. Seniorenassistenz konkret ist eine Form der „Betreuung“ von eigenständigen, körperlich und geistig weitgehend gesunden Senior:innen im eigenen Zuhause oder Wohneinrichtungen, Wohngemeinschaften, oder anderen Wohnformen. Sie ist eine Begleitung im Alltag, bei speziellen Themen und Angelegenheiten, Projekten und Aktivitäten und dient dem Erhalt der Eigenständigkeit und dem Verbleib daheim, so lange wie möglich, sowie der Entlastung von Angehörigen und oftmals auch von Pflegediensten, deren Dienstleistung in manchen Fällen (noch) nicht notwendig ist. Die Seniorenassistenz ermöglicht eine sehr individuelle, exklusive, stundenweise Begleitung mit ausreichend Zeit , zu fix vereinbarten Terminen, mit der immer gleichen Person. Die Kosten trägt der Klient:in selbst. Dieses Wissen über die Tätigkeit ist wichtig, wenn Sie die Überlegung anstellen, eine Seniorenassistent:in zu engagieren, damit keine Erwartungen enttäuscht werden und ein gutes Miteinander gelingen kann.

  • Liebevoll zugewandt

    Heute erzähle ich wieder ein wenig von meinem Herzensthema Demenzbegleitung, einem Teil meiner Tätigkeit in dem ich besonders schöne Erlebnisse mit meinen Klient:innen habe. Lustig, berührend und immer liebevoll zugewandt. Den Menschen für gültig erklärend, wie es unter anderem ein wichtiger Grundsatz in der Validation nach Naomi Feil ist. Für mich ist es im Umgang mit meinem Gegenüber immer ein Grundsatz, zu versuchen, den Menschen zu sehen, so wie er in diesem Moment ist. Häufig erzählen mir Angehörige von den scheinbar unglaublichsten Dingen und sehr verwirrenden Verhaltensweisen, die ein Mensch mit Demenz in ihrem täglichen Zusammenleben an den Tag legt. Wir kennen alle die Geschichten von Schuhen im Backofen, ständiger Suche nach allen möglichen Gegenständen, vergessenen Terminen, orientierungslos Umherirrenden, Menschen die ständig "nach Hause" gehen wollen, obwohl sie dort sind und scheinbar endlosen Wiederholungen von Geschichten von früher, oder ständigem Fragen nach Dingen, die man gefühlt schon hundertmal wiederholt hat. Horten von Lebensmitteln in Schubladen, seltsame Kleidungsstile und der Besuch von "der Mama" oder anderen Verwandten, die schon längst nicht mehr leben.... Warum das alles in Frage stellen, für komisch befinden, den Menschen rügen, belehren oder gereizt werden? Kein an Demenz Erkrankter macht etwas von diesen Dingen, um uns zu ärgern. Niemals dürfen wir ein Verhalten persönlich nehmen, denn so ist es nicht gemeint. Wir können den Menschen nicht zurück in unsere Realität holen, sondern besuchen ihn in seiner Welt und dort ist alles richtig, so wie es ist. Es ist, wie es ist . Dies ist meine innere Haltung im Umgang mit Menschen mit Demenz, die es mir sehr leicht macht, nicht die Geduld zu verlieren, den Kopf zu schütteln, etwas korrigieren zu wollen ....... Das fällt mir als Außenstehende natürlich leichter, weil ich keine gemeinsame Vergangenheit, eine Familiengeschichte, zerstörte Zukunftspläne oder schwierige Themen mit dem Menschen mit Demenz habe. Ich erlebe ihn oder sie so, wie sie jetzt ist und lasse mich auf sie ein. Verbringe die Zeit ganz nach den persönlichen Bedürfnissen, Fähigkeiten und unter Nutzung der Ressourcen die jeder Mensch mitbringt. Das kann man lernen und sich einiges theoretische Wissen zum Thema Demenz aneignen, das so wichtig ist, um alles besser zu verstehen und dazu biete ich Einzelgespräche, Infoveranstaltungen und Angehörigengruppen an, um das Zusammenleben etwas zu erleichtern und zu entlasten, indem ich aus meiner täglichen Arbeit erzähle, wir uns austauschen und ich die Meschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu Hause in ihrem Alltag begleite.

  • Wertvolle Literatur

    Wunderbare Fachliteratur von Erwin Böhm. Wie wichtig es ist, dass ältere Menschen so lange wie möglich eigenständig und vor allem im eigenen zu Hause bleiben können, erlebe ich jeden Tag mit meinen Klient:innen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Ich motiviere alle meine Klient:innen so viel wie möglich an alltäglichen Aktivitäten wie z.B. Rituale am Morgen oder Abend, Einkaufszettel schreiben, telefonieren, kochen, Post und Ablage erledigen, am Computer arbeiten, Büroarbeiten, Bank- und Behördenangelegenheiten etc. selbst zu erledigen. Bitte nicht zu viel bemuttern und entlasten ist hier meine Devise. Dabei sorge ich für Infos, ein funktionierendes "Rundum" und nötige Unterstützung und wo immer machbar, wird damit Wissen, Handlungen und vor allem Emotionen aus dem "Altgedächtnis", wie es Erwin Böhm beschreibt re-aktiviert. Die Beobachtung und regelmäßige Begleitung über einen längeren Zeitraum zu Hause erleichtert es, meine Klient:innen richtig einzuschätzen, damit sie machbare Tätigkeiten fordern und nicht überfordern und körperliche und geistige Fähigkeiten gefördert, oder sogar re-aktiviert werden. In abgewandelter Form ist das Model von Erwin Böhm auch häufig nach längeren Spitals- oder Reha-Aufenthalten (sinngem. Übergangspflege) ganz wunderbar geeignet, um den älteren Menschen wieder zu Hause ankommen und Sicherheit finden zu lassen.

  • Der Spaziergang - mehr als Bewegung an der frischen Luft

    Bewegung und Aktivierung ist für mich ein sehr wichtiger Teil der Seniorenassistenz und Demenzbegleitung. Oftmals ist es eine Ressource von älteren Menschen, die in ihrem Leben viel und gerne in Bewegung waren, auf die man gut zurückgreifen und gemeinsam für Aktivität und Abwechslung sorgen kann. Je nach körperlicher Verfassung und Interessen ist der Spaziergang eine gute Möglichkeit in Bewegung zu kommen. Dabei werden vom Anziehen bis zur Rückkehr viele Sinne und Fähigkeiten aktiviert und trainiert und Kompetenzen gefördert, auch wenn wir mit Stöcken, dem Rollator, oder Rollstuhl unterwegs sind. Ich überlasse meinem Klient:in so viel wie möglich an Entscheidungen, begleite und unterstütze nur. Wie ist das Wetter heute und ist es warm oder kalt? >Entscheidung der richtigen Wahl von Kleidung und Schuhen. Wie fühlen Sie sich heute? Wohin werden wir gehen? Eine kleine Runde im Grätzl, durch den Park oder wollen wir einen Ausflug machen? >In sich hineinfühlen und eigene Fähigkeiten abschätzen. Rechts oder links? Wie geht es weiter? >Überlegen, erinnern, entscheiden wohin wir gehen. Asphalt, Wiese oder Schotterweg, bergauf und bergab, etwas sammeln oder aufheben >Den Untergrund spüren, Muskulatur beanspruchen, Balance halten und das eigene Tempo finden Menschen begegnen - soziale Kontakte pflegen >Den Nachbarn begrüßen, kurze Gespräche führen, von sich erzählen, anderen begegnen Wie gut es hier duftet, wie laut es hier ist, schon wieder eine Baustelle, wie schön die Vögel zwitschern und die Blumen blühen >Aufmerksamkeit und die Sinne aktivieren, erinnern und erzählen von früher Pausen machen, oder den Heimweg antreten >Zeit haben zum Ausruhen, Schauen und Plaudern und wieder zu Hause ankommen Als Begleitende beobachte ich (wie immer) Mimik, Körpersprache, Reaktionen und Verhalten und erkenne dadurch, ob sich mein Klient:in wohlfühlt, oder überfordert ist und Unterstützung braucht. Wir können jederzeit umdrehen, ein Taxi rufen oder mit den Öffis fahren. Ich habe alles dabei, was unterwegs gebraucht werden könnte und vermittle Sicherheit und Freude am gemeinsamen Unterwegssein. Daraus kann sich auch für Menschen mit Demenz ein Ritual entwickeln, das Bewegungsdrang und Unruhe mindern kann, oft Erinnerungen an früher schafft und erlebbar macht, welche (körperlichen) Fähigkeiten noch gut vorhanden sind. Viel Freude beim gemeinsamen Gehen!

  • Altersweise - der Blog

    Aus Freude an meiner Tätigkeit und allen damit verbundenen Erfahrungen, Begegnungen und Geschichten aus dem Leben meiner Klient:innen ist dieser Blog entstanden, um zu teilen, was berührt, informiert, Anstoß zum Nachdenken gibt und hilfreich im Umgang miteinander sein könnte. Die Inhalte entstehen aus der praktischen Erfahrung und Erkenntnissen aus meinem täglichen Miteinander mit Menschen die Klient:innen, Angehörige, Pflegende, Betreuende, Kümmerer, Lehrer und Kolleg:innen sind und mich in meinem Beruf stetig lernen, reflektieren, wachsen und entwickeln lassen. Mein Dank gilt all jenen und den interessierten Leser:innen, die nicht jammern, kritisieren und bewerten, sondern zu einem wertschätzenden Austausch bereit sind und vielleicht anderen davon erzählen und ausprobieren, ob die ein oder andere Idee auch für sie umsetzbar und hilfreich sein kann. Der Blog ist in derzeit 5 Rubriken unterteilt, die ich wie folgt benannt habe: Altersweise – Praktisches Erfahrungswissen aus dem Tätigsein · Erfahrungen und Erkenntnisse aus meiner Tätigkeit als Seniorenassistentin und Demenzbegleiterin Altersweise - Gut zu wissen · Nützliche Infos, Links und Adressen, Organisationen etc. Altersweise – Geschichten aus dem Leben im Alter · Erzählungen und Begebenheiten meiner Klient:innen, Angehörigen, Betreuenden Altersweise – Nachgedacht  · Kritische Sichtweise auf gängige Praktiken, bestehende Meinungen und verschiedene Themen rund um das Thema Alter Altersweise – kurz erklärt · Erklärungen und Definitionen meiner Tätigkeit und Arbeitsweise *Hinweis! Die in den Blogartikeln angeführten Erfahrungen, Definitionen und Sichtweisen stammen von mir persönlich und sind Ergebnis meiner praktischen Erfahrungen, Beobachtungen und Erkenntnisse. Meine Leser:innen sind angehalten, ihre eigenen Erfahrungen und Meinungen gegenüberzustellen, eigenverantwortlich zu handeln, abzugleichen und nach ihrem Ermessen Fachliteratur etc. zu Rate zu ziehen. Im Falle einer konstruktiven Kritik, fachlichen Inputs aus pflegerischer oder medizinischer Sicht, Unklarheiten, oder Fragen haben Sie jederzeit die Möglichkeit, mich für ein persönliches Gespräch zu kontaktieren.

  • Demenzbegleitung

    Einen Unterschied zur Seniorenassistenz macht in der Demenzbegleitung die Tatsache, dass die Klient:innen oftmals bereits in Wohn- oder Pflegeheimen untergebracht sind, oder zu Hause von Angehörigen, Heimhilfen oder Pflegediensten versorgt werden, besonders dann, wenn die Demenz schon weiter fortgeschritten ist. Ansonsten ist diese Form der Begleitung ebenfalls sehr individuell auf die Bedürfnisse, Ressourcen und Fähigkeiten der Klient:innen und deren Angehörige abgestimmt und reicht von Aktivierung, Aktivitäten, Biographiearbeit, körperlicher Betätigung und nach Wunsch auch Gedächtnistraining bis hin zu Besuchsdiensten, da sein und liebevoller Zuwendung ergänzend und unterstützend zur medizinisch, pflegerischen Versorgung in Pflegeeinrichtungen. Die Demenzbegleitung besteht aus viel Beobachtung, Mimik und Gestik deuten, Gefühle hinter manchmal sehr „komischen“ Handlungen oder Worten erkennen und in die Welt des Menschen mit Demenz einzutauchen und sich auf Situationen einzulassen. Den Menschen für gültig erklären. Es gibt keinen fixen Plan, oder eine to do Liste, die abgearbeitet wird. Da auch hier im Grunde der Klient:in vorgibt, was während des Auftrags geschieht, ist es abhängig vom Status der „Erkrankung“, Tagesform und persönlichen Möglichkeiten. Demenzbegleitung findet auf einer sehr emotionalen Ebene statt und hat auch die Aufgabe, Angehörige und /oder Pflegende zu entlasten.

  • Herausforderung Alltag - Der Einkauf

    Vor allem beim gemeinsamen Einkaufen mit meinen Klient:innen fallen einige Tatsachen auf, die es für ältere Menschen tatsächlich schwer machen, alleine klar zu kommen. Vom Eingang bis zur Kasse ist man mit einigen Hürden konfrontiert, wie großen, schwer lenkbaren Einkaufswagen, schmalen Gängen, hohen Regalen in denen man das gewünschte Produkt nicht erreichen kann, ständig wechselndes Sortiment und mühsame Suche wegen zu kleiner Beschriftung, oder neuem Platz im Regal. Im Sommer viel zu kalt wegen der Klimaanlagen, laute Musik, die ganz schön auf die Nerven gehen kann. Stress und Hektik an der Kasse durch zu wenig Platz zum Einpacken und ungeduldige Kunden, die in der Schlange stehen. Ein Grund zu Helfen, noch mehr aber hoffentlich zukünftig ein Grund zum Nachdenken und Umgestalten ......

  • Eine Klientin erzählt warum Sie sich für meine  Unterstützung entschieden hat  

    „Ich möchte meine Freiheit und Eigenständigkeit so lang wie möglich behalten und würd mich sehr eingeschränkt fühlen, würde mir jemand sagen, was ich besser jetzt schon, oder lieber nicht mehr tun sollte.“  In einem Heim zu leben kann ich mir nicht vorstellen, dafür geht es mir noch zu gut, trotz kleiner Einschränkungen. Die Termine und Bereiche, in denen ich Hilfe brauche, möcht ich gerne je nach Bedarf und Tagesverfassung selbst bestimmen.“ Flexibel, verlässlich, verantwortungsbewusst. Meinem Tag eine Struktur geben, aber auch mal spontan sein, Vielseitigkeit. So jemanden wünsche ich mir, dann könnt ich weiterhin daheim wohnen bleiben, muss meine Nachbarn nicht fragen, kann mit meinen Kindern Zeit verbringen, wenn sie Zeit haben und Dinge tun, die uns Spaß machen.

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