Gregors "Wuchteln"
- Katja Schmidt

- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Seit 2 Jahren "sammle" ich die lustigen Aussagen meines Klienten Gregor, der immer wieder sehr schlagfertig kommentiert oder seine Meinung äußert und mich damit schon oft zum Lachen gebracht hat. Dabei ging es ihm nach dem Tod seiner Frau vor knapp 6 Jahren eine Zeit lang gar nicht gut. "Ich wollte nicht mehr" hat er mir erst vor kurzem wieder einmal erzählt, als wir darüber sinnen, wie schön (und selten) es ist, in einer 63 jährigen Ehe, die großteils harmonisch verlief gelebt zu haben und glücklich gewesen zu sein.
"Jetzt bleib ich noch ein wenig da, solang es geht, denn das Leben ist schön und daran bist Du auch ein bissl schuld." sagt er zu mir. "Denn seit Du zu mir kommst, hab ich wieder mehr Freude am Leben."
Gregor vergisst Vieles und fragt oft nach, das Sprechen ist ein bissl "holprig" geworden, er hört schlecht und trägt die Hörgeräte nur den Menschen in seinem Umfeld zuliebe. Manches Wort fällt ihm nicht mehr ein. Mit Charme und einer wunderbaren Art sich selbst zu mögen, nimmt er das so wie es ist und es geht ihm gut damit. Das sieht man unter anderem auch daran, wie liebevoll sich Gregor um die Blumen auf seiner Terrasse kümmert. Er hat den Gedanken, er möchte das, was wir beide so schön hergerichtet haben, hegen und pflegen und mittlerweile kauft er auch selbst regelmäßig Blühpflanzen, die ihm besonders gut gefallen. Ursprünglich hätte er die Pflanzen gerne "wartungsfrei" gehabt wie er es nennt. Jetzt gehört es für ihn zur täglichen Routine am Abend zu gießen und ein bisserl zu zupfen, was verblüht ist. "Irgendein Kraut wohnt jetzt auch bei mir auf dem Dach, das werd ich wohl demnächst umsiedeln." erzählt er mir. Dass Frohsinn und eine sehr bodenständige Haltung sein Leben immer sehr gelenkt und bereichert haben, zeigt mir sein Humor und die Tatsache, dass er mit fast 90 keinen Grund sieht zu jammern, oder zu verzagen. Er freut sich über seine Familie und alles, was er im Leben geschafft hat, erzählt wunderbare Geschichten und bewegt sich gern und als ich neulich mit ihm über die Midlife-Crisis und ihre Auswirkungen geplaudert habe, grinst er mich an und sagt: " Gut, das betrifft mich ja nicht mehr - ich bin schon in der Endlife-Crisis."





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