Ein starkes Herz....
- Katja Schmidt

- 17. März
- 2 Min. Lesezeit

Vor einer Woche kam der Anruf ihrer Nichte, dass Elli in ihrer letzten Lebensphase angekommen ist.
Ich mache mich auf den Weg wie immer, lasse mich ein auf das was vor Ort sein wird und bin einfach da, vermittle Ruhe und lasse zu was ist.
Es hat sich schon eine Weile angekündigt, dass sie sich "auf den Weg" machen wird. Große Müdigkeit, wenig Wachphasen, weniger Appetit und das obwohl sie immer so gerne gegessen hat. Immer häufiger Probleme beim Schlucken, immer wieder Flüssigkeitsdefizite. Trotz ihrer weit fortgeschrittenen Demenz war Elli noch immer "da" wenn ich sie besucht habe. Ihre Mimik war ganz wunderbar zu lesen und beim Hinspüren war immer eine Resonanz spürbar. Das alles ist mittlerweile sehr verblasst und man fühlt nur noch einen Hauch Anwesenheit.
Sie wird palliativ sehr gut begleitet, bekommt alles, was ihre Ängste und Beschwerden lindert und die Situation wirkt beinahe friedlich.
Ihre nächsten Verwandten waren schon da, um sich zu verabschieden, das Pflegepersonal ist besonders achtsam und fürsorglich auch uns Besuchern gegenüber, im Raum herrscht eine relativ angenehme Atmosphäre, es duftet zart nach Lavendel und der Sauerstoff blubbert vor sich hin. Die Gesichtsfarbe und Hauttemperatur haben sich wieder verändert als ich gestern bei ihr war. Eigentlich hatte ich ihr im Stillen schon eine gute Reise gewünscht, aber jetzt liegt sie im Bett, mit leicht rosigen Wangen, normaler Körpertemperatur und atmet zwar hörbar und schwerer als vorher, aber sehr gleichmäßig. Wenn sie eine vertraute Stimme hört, oder ein Geräusch, öffnet Elli leicht die Augen und hin und wieder gibt sie einen leisen Laut von sich.
"Sie hat ein starkes Herz!" "Sie kann noch nicht loslassen.", oder die Vermutung sie möchte sich noch von jemand bestimmten verabschieden sind die Gedanken dazu, dass Elli noch immer da ist, obwohl es vor ein paar Tagen noch ganz anders aussah.
Wir haben ihr zugeflüstert, dass alles gut ist und sie gehen darf, wenn sie will, danke gesagt, für die schöne gemeinsame Zeit und für uns im Stillen über die schweren Momente und Herausforderungen nachgedacht, die ihre Erkrankung in den letzten Jahren mit sich gebracht hat. Ein oft sehr schwerer Weg, der zum Schluss auf die Pflegestation geführt hat.
Täglich, wenn ich das Handy einschalte rechne ich mit der Nachricht, dass Elli gestorben ist, aber sie kommt nicht. Elli wird einfach noch ein wenig bleiben.





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